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Nachtarbeiten

Muss das sein?

Für viele Anwohner ein Ärgernis, für den zuverlässigen Betrieb von Straßenbahnen aber oft unvermeidlich: Regelmäßig führen die Verkehrsbetriebe Karlsruhe im Stadtgebiet in den Abend- und Nachtstunden Schweiß- und Schleifarbeiten durch.

Was genau wird dabei eigentlich gemacht? Und warum müssen diese Arbeiten ausgerechnet dann stattfinden, wenn sich die meisten Bürger vor allem eines wünschen: Ruhe. Die Antworten finden Sie hier.

Warum finden überhaupt Schleif- und Schweißarbeiten statt?

Auch Straßenbahnschienen wollen gepflegt werden. Wenn tonnenschweren Stadt- und Trambahnen über die Schienen und Weichen rollen, verschleißen diese mit der Zeit. Es bilden sich beispielweise kleine Risse, Verriffelungen oder Unebenheiten. Die Schienenoberfläche wird mit der Zeit rau, speziell im Haltestellenbereich durch das ständige Abbremsen und Anfahren oder in Kurven. Diese Unebenheiten führen langfristig zu Vibrationen, die in den Untergrund übertragen werden. Die Erschütterungen bekommen dann vor allem die Menschen zu spüren, die nahe an den Gleistrassen wohnen.

Durch regelmäßige Schleif- und Schweißarbeiten werden diese Schäden an der Schienenoberfläche reduziert oder gar beseitigt und das Längsprofil optimiert, die Schiene quasi wieder geglättet. Dadurch wird prophylaktisch einem stärkeren Materialverschleiß vorgebeugt und die Lebensdauer der Schienen sowie deren Liegezeit im Gleis erhöht.

Ohne Instandhaltung müssten Schienen nach viel zu kurzer Zeit teuer und aufwändig ausgetauscht werden. Dies würde neben hohen Kosten auch weitere Baustellen, Verkehrsbehinderungen und zusätzlichen Lärm verursachen. 

Bei den Schleifarbeiten können auch Schmierfilme beseitigt werden, die von Laub oder Luftverunreinigungen verursacht wurden. Somit sorgt das Schienenschleifen durch einen verbesserten Grip beim Bremsen und beschleunigen für mehr Sicherheit bei den Bahnen. 

Was genau wird bei den nächtlichen Schleif- und Schweißarbeiten gemacht?

Beim Schleifen der Schienen, etwa mit einem Schleifzug, wird von der Gleisoberfläche etwa 0,01 Millimeter Material abgetragen, das ist etwa so dick wie zehn Haare. So werden die typischen Schienenschäden und Unebenheiten beseitigt.

Dieser Materialabtrag wird zu einem Großteil durch das Aufschweißen von Material wieder aufgetragen – aber nicht zu 100 Prozent, sonst würde sich der Lebenszyklus einer Schiene ja ewig verlängern. Zunächst wird die Schiene für die Schweißarbeiten vorbereitet und gegebenenfalls die Anschlussflächen geschliffen, so dass das Schweißgut eine gute und saubere Auflagerfläche hat. Dann wird das Schweißmaterial an der Verschleißstelle aufgetragen. Am Ende des Prozesses muss noch Material, das über das normale Profil der Schiene herausragt, wieder abgeschliffen werden. So erhält die Schiene die richtige Kontur bzw. Spurbreite. Dies gewährleistet einen optimalen Kontakt zum Rad der Straßenbahn. Gerade diese Schleifarbeiten zum Schluss des Aufschweißens sind leider sehr lärmintensiv, während das Schweißen selber sehr leise ist.

Warum finden diese Arbeiten sehr oft nachts statt?

Die Instandsetzungsarbeiten finden direkt im Gleisbett statt. Deshalb können sie erst zu einem Zeitpunkt beginnen, wenn der Takt auf diesen Strecken schon stark ausgedünnt ist. Dies ist vor allem in den Abend-, Nacht- und frühen Morgenstunden der Fall. Dann können die Schweiß- und Schleiftrupps mit ihren Geräten und Fahrzeugen effektiv und sicherer arbeiten. Zudem gibt es beim Prozess des Schweißens Zwischenzustände, die die Fahrt einer Bahn auf dem jeweiligen Gleisabschnitts technisch nicht zulassen. 

Kann denn nicht auch tagsüber gearbeitet werden?

Die Instandhaltungstrupps würden ihre Arbeit lieber bei Tageslicht und nicht bei körperlich sehr belastenden Nachtschichten durchführen. Auch der Fahrer des Schleifzuges kann bei Tageslicht den Zustand der Schiene vom Fahrerstand besser erkennen als nachts, und die händischen Schweißarbeiten, etwa an Weichen, sind bei guten Lichtverhältnissen ebenfalls leichter durchzuführen. Zudem würden die Verkehrsbetriebe die Anwohner entlang der Gleise natürlich auch lieber nicht mit Arbeitslärm um ihre verdiente Nachtruhe bringen.

Allerdings müssten bei Arbeiten am Tage die Strecken für den Stadt- und Trambahnverkehr gesperrt werden. Dies würde gerade auf stark frequentierten Strecken, auf denen mehrere Linien unterwegs sind, zu massiven Beeinträchtigungen für die Fahrgäste und für den Verkehr im Stadtgebiet insgesamt führen. Zusätzlich müsste für die ausfallenden Zugverbindungen mit Bussen ein Schienenersatzverkehr organisiert werden. Deshalb werden diese Arbeiten vor allem nachts durchgeführt.  

Wie lange dauern diese Nachtarbeiten in der Regel?

Die Ausführungsdauer hängt von zahlreichen Faktoren ab, deshalb lässt sich pauschal nur schwer beziffern, wie lange Schweiß- und Schleifarbeiten dauern. Ein wesentlicher Faktor ist beispielsweise das Wetter. So darf es bei den Schweiß- und Schleifarbeiten nicht regnen. Andere Arbeiten an Weichen können nur von wenigen Spezialisten in Handarbeit ausgeführt werden. Bei vielen Schweiß- und Schleifmaßnahmen handelt es sich allerdings um lokal sehr begrenzte Wanderbaustellen, die sich kontinuierlich weiterbewegen, so dass für die Anwohner nur eine zeitlich sehr begrenzte Lärmbelastung zu verzeichnen ist. 

Wie informieren die Verkehrsbetriebe Karlsruhe die Anwohner entlang der Strecke?

Wie bei anderen Baumaßnahmen auch verteilen die VBK Anwohnerinformationen in Form eines Flyers in die entsprechenden Briefkästen. Die Flyer erhalten Informationen über die Baumaßnahme, die Auswirkungen für die Anwohner und die Zeitpunkt der Bautätigkeit. Außerdem wird den Anwohnern auf dem Flyer ein Ansprechpartner bzw. eine Kontaktadresse genannt, falls Sie Fragen zur Baumaßnahme haben oder konstruktive Kritik äußern möchten.